Ursachen, Symptome und Verlauf

Ursachen und Symptome bei Demenz

Demenz: Ursachen[1]

Rund 80 Prozent aller Demenzen werden durch neurodegenerative Krankheiten ausgelöst, d. h. verursacht durch Krankheiten des Hirngewebes, bei denen Nervenzellen allmählich verloren gehen. Die häufigsten dieser neurodegenerativen Erkrankungen sind:

  • die Alzheimer-Krankheit
  • die Lewy-Körperchen-Krankheit sowie
  • Erkrankungen des Stirnhirns (Frontotemporale Degenerationen)

An der Entstehung neurodegenerativer Krankheiten und Ge­fäßerkrankungen des Gehirns sind unterschiedliche Faktoren beteiligt. Der wich­tigste Entstehungsfaktor ist das Alter, aber auch genetische Faktoren und die körperliche Gesundheit, Lebensgewohnheiten und Umwelt­einflüsse spielen eine Rolle. Selten sind ge­netische Faktoren die alleinige Ursache.

Demenz: Symptome[1]

Die Symptome einer Demenz hängen primär davon ab, welche Stellen des Gehirns betroffen sind. Deshalb unterscheiden sich Demenzen, die durch unterschiedliche neurodegenerative Krankheiten oder aber Gefäßerkrankungen verursacht werden, ganz wesentlich:

Demenzursache: Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache einer Demenz. Sie ist durch einen langsam fortschreitenden Verlust von Nervenzellen gekennzeichnet, der bevorzugt den Schläfenlappen und Scheitellap­pen des Gehirns in Mitleidenschaft zieht. Diese Abschnitte der Hirn­rinde sind für Gedächtnis, Sprache und Orientierungsfähigkeit wich­tig. Es gibt aber auch Varianten der Alzheimer-Krankheit, bei denen Teile des Stirnhirns oder des Hinterhauptslappens betroffen sind. Bei diesen Varianten stehen nicht Gedächtnisstörungen, sondern Ein­schränkungen der Sprache oder der Verarbeitung optischer Sinnes­eindrücke im Vordergrund.

Demenzursache: Gefäßkrankheiten
Veränderungen der hirnversorgenden Blutgefäße betreffen vor allem kleine Arterien, welche Nervenzellverbände unterhalb der Hirnrin­de sowie die Verbindungsbahnen zwischen den einzelnen Abschnit­ten der Hirnrinde versorgen. Die häufigste dieser Veränderungen ist die Verengung von Gefäßen als Folge von Bluthochdruck, Zucker­krankheit (Diabetes mellitus), Fettstoffwechselstörungen und Rauchen. Dadurch werden Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt und es kommt zu lochförmigen Defekten im Hirngewebe (Infarkte) sowie zur Schädi­gung oder Zerstörung von Nervenfasern. Dadurch wird die Informati­onsweiterleitung innerhalb des Gehirns eingeschränkt, was in erster Linie zu herabgesetzter Aufmerksamkeit und einer Verlangsamung der Denkprozesse führt.

Demenzursache: Lewy-Körperchen-Krankheit
Bei der Lewy-Körperchen-Krankheit und der eng mit ihr verwand­ten Parkinson-Krankheit wird der Verlust von Nervenzellen durch Zu­sammenballungen des Lewy-Körperchen (Protein im Zellinneren) hervorgerufen. Der Vorgang beginnt in Nervenzellverbänden, die unterhalb der Großhirnrinde liegen und für die Steuerung von Be­wegungsabläufen zuständig sind. Betroffen sind aber auch mehrere Abschnitte der Hirnrinde im Stirnhirn, Schläfenlappen und Scheitel­lappen. Deswegen leiden Betroffene unter einer Kombination von Be­wegungsstörungen und kognitiven Einschränkungen.

Demenzursache: Frontotemporale Degenerationen
Regional begrenzte Ausfälle von Nervenzellen im Stirnhirn und im vorderen Teil des Schläfenlappens werden als Frontotemporale De­generationen bezeichnet. Bei diesen Krankheiten findet man Zu­sammenballungen von zwei verschiedenen Proteinen der Nerven­zellen. Über die Symptome entscheidet nicht die Art der Verklumpun­gen, sondern der Abschnitt der Hirnrinde, in dem sie bevorzugt auftre­ten. Man unterscheidet drei Varianten. Wenn vor allem das Stirnhirn in Mitleidenschaft gezogen wird, entstehen ausgeprägte Verhaltensänderungen. Schädigungen der Schläfenlappen äußern sich dagegen in zwei verschiedenartigen Störungen der Sprache, je nachdem wel­che Zentren des Sprachsystems betroffen sind.

Demenz: Verlauf[2]

Im Verlauf einer Demenzerkrankung kommt es zu Störungen der Kognition, der Alltagsfertigkeiten, des Erlebens, des Befindens und des Verhaltens. In der Regel beginnt eine Demenz (mit wenigen Ausnahmen) mit einer Störung der Merkfähigkeit (Kurzzeitgedächtnis) und der zeitlichen Orientierung. Bei weiterem Fortschreiten der Erkrankung sind je nach Schweregrad zusätzlich kognitive und nicht-kognitive Bereiche betroffen.

Mit einer Demenz-Therapie sollte so bald wie möglich begonnen werden. Durch eine frühzeitige Therapieeinleitung können schwere Symptome deutlich hinausgezögert werden. Auch Angehörige, die Demenzkranke oft betreuen, sollten sich nicht scheuen, Unterstützungsangebote anzunehmen.

1. Leichtgradige Demenz
Im Stadium der leichtgradigen Demenz stehen in der Regel Gedächtnisstörungen im Vordergrund. Betroffene haben häufig Wortfindungsstörungen, sind in ihrer Auffassungsgabe sowie beim Planen und Problemlösen ein­geschränkt und können sich zeitlich und räumlich nicht mehr sicher orientieren. Sie sind aber in der Lage, gewohnte Alltagstätigkeiten mit gelegentlicher Hilfestellung auszuüben. Betroffene nehmen das Nachlassen ihrer Leistungsfähigkeit wahr, wenn auch meist nicht in vollem Um­fang. Depressive Verstimmungen, verminderte Aktivität und Rückzug sind häufige Reaktionen.

2. Mittelschwere Demenz
Im Stadium der mittelschweren Demenz sind die kognitiven Störun­gen so stark ausgeprägt, dass die Betroffenen erhebliche Einschränkungen im alltäglichen Leben hinnehmen müssen. Das Altgedächtnis verblasst, die zeitliche und örtliche Orientierungsfähigkeit geht ver­loren, die sprachliche Verständigung wird zum Problem. Eine selbst­ständige Lebensführung ist nicht mehr möglich. Überdies treten ausgeprägte Verhaltensänderungen auf, vor allem Antriebslosigkeit, Unruhe und Reizbarkeit, aber auch Aggres­sivität. Bestimmte Fähigkeiten sind aber nach wie vor er­halten, zum Beispiel erinnern sich Patienten häufig noch gut an Lieder, Musik und Gedichte. In diesem Stadium kann ein einfühlsamer Umgang mit den Betroffenen sowie die Unterstützung durch Erinnerungstherapie, Musiktherapie oder auch Krankengymnastik dazu beitragen, die Sym­ptome zu mildern und das Wohlbefinden zu verbessern.

3. Schwere Demenz
Im Stadium der schweren Demenz sind die Betroffenen vollständig pflegebedürftig, die sprachliche Verständigung gelingt nicht mehr. Dennoch reagieren Erkrankte oft positiv auf Stimmen und Berührungen. Sie sind häufig bettlägerig, leiden unter einer Versteifung von Gliedmaßen und unter Ernährungsstörungen. In diesem Stadium sind Betroffene besonders anfällig für Infektionen. Der Krankheitsverlauf ist von Fall zu Fall sehr ver­schieden und lässt sich nicht vorhersagen.