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Digital detox - Ich bin dann mal offline!


Wer sich ohne Smartphone, Smartwatch und den dazu passenden Apps seinen Alltag nicht mehr vorstellen kann, sollte über eine digitale Auszeit nachdenken. Denn spätestens seit dem Beginn der Pandemie verbringen wir mehr Zeit denn je vor Bildschirmen.

Daher sind auch die Ergebnisse einer DACH-Studie kaum überraschend: Digitaler Stress nimmt in unseren Arbeits- und Lebenswelten eine immer zentralere Rolle ein. Die Studie der Fachhochschule Oberösterreich wurde unter Beteiligung der Universität Linz und der Universität Bonn mit 3.333 Teilnehmern durchgeführt. Im Fokus der Untersuchung standen die Konsequenzen von digitalem Stress am Arbeitsplatz sowie personenbezogene Eigenschaften wie etwa Alter, Geschlecht, Bildung und Persönlichkeit und ihr Zusammenhang mit digitalem Stress.

Den größten digitalen Stress erzeugen eine gestörte Work-Life Balance, sozialer Druck in der Kommunikation und die mangelnde Nützlichkeit von digitalen Technologien. „Die befragten Teilnehmer der Studie haben außerdem betont, dass emotionale Erschöpfung, weniger Zufriedenheit mit dem Job, eine geschwächte mentale Gesundheit und depressive Symptome deutlich spürbar werden", erklärt Prof. Dr. René Riedl, Professor für Digital Business und Innovation an der FH Oberösterreich, assoziierter Universitätsprofessor an der Universität Linz und wissenschaftlicher Direktor der Neuro-Information-Systems Society. Er hat die Studie gemeinsam mit seinem Forschungsteam an der FH Oberösterreich und Prof. Dr. Martin Reuter, Professor für Psychologie und Leiter der Abteilung Differentielle & Biologische Psychologie an der Universität Bonn durchgeführt.

Auch Geschlecht und Alter zeigen einen statistisch signifikanten Zusammenhang mit digitalem Stressempfinden. So sind jüngere Menschen tendenziell stärker von der Digitalisierung gestresst als ältere. Männer empfinden mehr digitalen Stress als Frauen. „Das Nutzenpotenzial digitaler Technologien auszuschöpfen setzt voraus, das von ihnen ausgehende Stresspotenzial zu erkennen und diesem wirksam zu begegnen. Ein bewusster Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien kann Stress reduzieren. Diese Botschaft richtet sich nicht nur an Nutzer, sondern auch an Verantwortungsträger in Unternehmen, Politik und weiteren Bereichen, die über den Einsatz von digitalen Technologien entscheiden“, stellt Riedl fest und beschreibt den Preis ständiger Unterbrechung: „Wer in einem Büro arbeitet, wird rund 70 Mal pro Tag bei seiner Arbeit unterbrochen. Es dauert etwa 24 Minuten, bis wir wieder unsere ursprüngliche Tätigkeit aufnehmen, ein Viertel der Arbeit wird gar nicht mehr wieder aufgenommen. Wir kommen in keinen Flow, also in einen Zustand, in dem wir uns voll und ganz in etwas vertiefen können und auch besondere Zufriedenheit spüren. Eine deutsche Studie belegt, dass im Schnitt 53 Mal pro Tag das Smartphone entsperren. Bei 16 Stunden Wachphase ist das alle 11 Minuten! Was dieses ständige Unterbrechen für den User, das Unternehmen und die ganze Volkswirtschaft bedeutet, ist klar: die Produktivität sinkt erheblich und der Stress steigt rasant an.“

Sein Tipp zur Lösung der digitalen Erschöpfung: Definieren Sie Regeln– für sich und für ihr berufliches Umfeld. Wir müssen wieder lernen Smartphone- oder E-Mail freie Zeit zu haben und diese auch - ohne das Gefühl etwas zu versäumen - wieder zu genießen. Wer das zu Hause alleine nicht schafft, für den hat die Freizeitindustrie bereits das passende Angebot geschnürt: Detox-Camps oder Aufenthalte in Waldhütten ohne Empfang werden zunehmend zum gefragten Urlaubsangebot. Auf das Smartphone zu verzichten, bringt auf jeden Fall ein Plus an Selbsterfahrung.

Tipps wie Digital Detox gelingen kann:

  • Smartphone-freie Räume und Zeit schaffen, etwa im Schlafzimmer, beim Essen oder beim Spazierengehen.
  • Verzichten Sie darauf, dass Apps ihren Alltag organisieren. Wenn zum Beispiel der Wecker am Smartphone läutet, ist man schon frühmorgens mit allen Nachrichten am Mobilgerät konfrontiert.
  • Schalten Sie Push-Nachrichten aus.
  • Sprechen Sie bei Kommunikationspartnern an, dass Sie nicht immer und ständig alles beantworten, weil dadurch ungestörtes Arbeiten nicht möglich ist.
  • Wenn nichts hilft – verwenden Sie Digital Detox-Apps. Das klingt zwar paradox, doch sie können helfen, ihr Nutzungsverhalten aufzuzeichnen und die Zeitfresser so deutlich zu machen.

Tipps für die neu gewonnene Freizeit:

  • Gehen Sie spazieren
  • Suchen Sie sich ein neues Hobby
  • Lesen Sie ein Buch
  • Misten Sie einen Kasten aus
  • Gönnen Sie sich einen Wellness-Tag in einem Spa oder einfach zu Hause

Buchtipps:

  • R. Riedl, Digitaler Stress: Wie er uns kaputt macht und was wir dagegen tun können. Linde Verlag, 2020, ISBN 9783709306666
  • L. Weaver, Die Alltagslast abwerfen. Die Ursachen von Stress und Überlastung erkennen und zu neuer Leichtigkeit finden, Trias Verlag, 2020, ISBN 978-3-432-11243-5



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