Demenz: Zahlen und Fakten2



Laut dem aktuellsten österreichischen Demenzbericht von 2014 leben in Österreich etwa 130.000 Personen mit Demenz. Aufgrund der kontinuierlich steigenden Lebenserwartung in der Bevölkerung wird sich dieser Anteil bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Warum? Weil die Wahrscheinlichkeit, dass eine dementielle Erkrankung auftritt, mit zunehmendem Alter steigt: Von den 60-Jährigen ist nur jeder Hundertste betroffen, von den 80-Jährigen dagegen jeder Sechste, und von den 90-Jährigen sogar nahezu jeder Zweite.


Bei Demenz handelt es sich um eine komplexe Erkrankung. Am Beginn der Krankheit stehen Symptome wie Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit. Im weiteren Verlauf verschwinden auch eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses, so dass die Betroffenen zunehmend ihre im Laufe des Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten verlieren. Aber Demenz geht weit über eine einfache Gedächtnisstörung oder den Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit hinaus: Demenz zieht das ganze Sein des Menschen in Mitleidenschaft, ebenso seine Wahrnehmung, sein Verhalten und sein Erleben.



Obwohl Demenz bis heute nicht heilbar ist, hat die Forschung bedeutende Fortschritte erzielt. Diese erlauben es, Menschen mit Demenz mit evidenzbasierten Methoden zu behandeln, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Erkrankten zu verbessern.
Die Beeinträchtigung der gesamten Persönlichkeit, die eine Demenzerkrankung mit sich bringt, hat über lange Zeit hinweg zu einem „Klima der Angst“ und einer Tabuisierung der Demenz geführt. Deshalb kommt auch bei diesem Krankheitsbild der Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung eine bedeutende Rolle zu.


Demenz: Ursachen und Symptome1


Rund 80 Prozent aller Demenzen werden durch neurodegenerative Krankheiten ausgelöst, d.h. sie werden durch Krankheiten des Hirngewebes, bei denen Nervenzellen allmählich verloren gehen, verursacht.

Die häufigsten dieser neurodegenerativen Erkrankungen sind:

  • Alzheimer-Krankheit
  • Lewy-Körperchen-Krankheit
  • Erkrankungen des Stirnhirns (Frontotemporale Degenerationen)

An der Entstehung neurodegenerativer Krankheiten und Gefäßerkrankungen des Gehirns sind unterschiedliche Faktoren beteiligt. Der wichtigste Entstehungsfaktor ist das Alter, aber auch genetische Faktoren und die körperliche Gesundheit, Lebensgewohnheiten und Umwelteinflüsse spielen eine Rolle. Selten sind genetische Faktoren die alleinige Ursache.


Die Symptome einer Demenz hängen primär davon ab, welche Stellen des Gehirns betroffen sind.

Deshalb unterscheiden sich Demenzen, die durch unterschiedliche neurodegenerative Krankheiten oder aber Gefäßerkrankungen verursacht werden, ganz wesentlich.

Personen mit Alzheimer-Krankheit, der häufigsten Ursache einer Demenz, haben u.a. Gedächtnis-, Sprach- und Orientierungsstörungen. Bei Gefäßkrankheiten, die eine Minderdurchblutung von Teilen des Gehirns verursachen, wird die Informationsweiterleitung innerhalb des Gehirns eingeschränkt, was in erster Linie zu herabgesetzter Aufmerksamkeit und einer Verlangsamung der Denkprozesse führt. Personen mit Lewy-Körperchen-Krankheit leiden unter einer Kombination von Bewegungsstörungen und kognitiven Einschränkungen. Ausgeprägte Verhaltensänderungen oder Sprachstörungen sind hingegen die Symptome von Frontotemporalen Degenerationen.


Demenz: Verlauf2


Im Verlauf einer Demenzerkrankung kommt es zu Störungen der Kognition, der Alltagsfertigkeiten, des Erlebens, des Befindens und des Verhaltens.

In der Regel beginnt eine Demenz (mit wenigen Ausnahmen) mit einer Störung der Merkfähigkeit (Kurzzeitgedächtnis) und der zeitlichen und räumlichen Orientierung. Bei weiterem Fortschreiten der Erkrankung sind je nach Schweregrad zusätzlich kognitive und nicht-kognitive Bereiche betroffen und das Langzeitgedächtnis lässt nach. Überdies treten ausgeprägte Verhaltensänderungen auf, vor allem Antriebslosigkeit, Unruhe und Angst, aber auch Aggressivität. In schweren Demenz-Stadien sind Betroffene vollständig pflegebedürftig und nicht mehr in der Lage nahestehende Personen zu erkennen.

Mit einer Demenz-Therapie sollte so bald wie möglich begonnen werden. Durch eine frühzeitige Therapieeinleitung können schwere Symptome deutlich hinausgezögert werden. Auch Angehörige, die Demenzkranke oft betreuen, sollten sich nicht scheuen, Unterstützungsangebote anzunehmen.


Demenz: Diagnose und Therapie2


Durch frühzeitige Erkennung und Therapieeinleitung können schwere Symptome deutlich hinausgezögert werden. Einige seltene Demenzformen lassen sich sogar heilen, z.B. Demenzen aufgrund von Schilddrüsenerkrankungen, Vitamin-Mangelversorgung oder depressiver Ursachen.

Die Behandlung einer Demenzerkrankung umfasst ein breites Spektrum von therapeutischen Maßnahmen. Im Idealfall sind sie miteinander verbunden und koordiniert, so dass Betroffene und ihre Angehörigen zur richtigen Zeit die notwendige Behandlung und Unterstützung erhalten.

Eine gänzliche Heilung ist nicht möglich. Es existiert auch keine wirksame Therapie, um den fortschreitenden Zerfall vollkommen zu stoppen. Dennoch können einige Medikamente und begleitende psychotherapeutische Maßnahmen den Verlauf der Erkrankung verlangsamen und die Symptome lindern. Mit der Therapie sollte so früh wie möglich begonnen werden. Wichtig ist überdies, dass die verordneten Medikamente regelmäßig eingenommen werden.


Demenz: Hilfe für Angehörige1


Rund zwei Drittel aller Demenzkranken werden von ihren Angehörigen, Freunden oder Nachbarn versorgt. Betreuung und Pflege dauern oft viele Jahre, sind zeitintensiv und stellen große körperliche und seelische Anforderungen an die Pflegenden. Ein Großteil der Angehörigen ist aber nicht auf die Aufgaben der Pflege vorbereitet.

Die Probleme, die bei der Betreuung von Menschen mit Demenz auftreten, sind vielfältig und unterschiedlich. Sie hängen einerseits von der Art und Ausprägung der Krankheitssymptome ab, andererseits haben die persönlichen, sozialen und finanziellen Möglichkeiten der Betroffenen und ihrer Angehörigen Einfluss auf das Leben mit Demenz.

Wissen über die jeweilige Demenzerkrankung und die dadurch verursachten Veränderungen zu erwerben, hilft dabei, bestimmte Verhaltensweisen der Erkrankten zu verstehen und einzuordnen. Darüber hinaus gibt es viele Unterstützungsangebote für die Versorgung Demenzkranker. Betreuende sollten sich nicht davor scheuen, diese alsbald in Anspruch zu nehmen. Auch Angehörigengruppen bieten spezielle Informationsangebote für Pflegende.